
«Industriequartier im Niedergang: verlassene Lagerhallen, eine blühende Untergrundszene …» In den 1980er-Jahren war Le Flon ein Randgebiet – verrufen, aber voller Leben. Nach Jahrzehnten erfolgloser Anläufe genehmigte die Stadt 1998 schliesslich einen Quartiergestaltungsplan und besiegelte damit die Einigung zwischen der Eigentümerschaft und der Bevölkerung. Das Projekt sah die Sanierung der historischen Bauten und die Errichtung neuer Gebäude vor, wobei das Schachbrettmuster des Viertels erhalten bleiben sollte. Heute ist Le Flon ein pulsierender Stadtteil im Herzen von Lausanne, mit Wohnungen, Geschäften, Freizeitangeboten, Büros und öffentlichen Dienstleistungen.
Ein Quartier auf dem Energieprüfstand
Seit 2009 ist die Immobiliengesellschaft Mobimo alleinige Eigentümerin und Verwalterin der rund 30 Gebäude, aus denen das Quartier besteht. Benjamin Gurtner, Projektleiter Realisierung, blickt zurück: «Die technischen Anlagen entsprachen dem Standard der 1990er-Jahre; seither hat sich in diesem Bereich viel getan.»
Im Jahr 2019 nahm die Mobimo Management AG am PEIK-Programm teil, um den Energieverbrauch von 19 Gebäuden im Quartier im Detail analysieren zu lassen. Diese professionelle Energieberatung für KMU wird zu 50 Prozent von EnergieSchweiz finanziert. Vorgenommen wird sie von akkreditierten Energieberaterinnen und -beratern, die in allen Regionen der Schweiz tätig sind. Bei der Durchführung der Analysen wurde Mobimo durch das Unternehmen WSP Ingénieurs Conseils SA unterstützt.

«Die technischen Anlagen entsprachen dem Standard der 1990er-Jahre; seither hat sich in diesem Bereich viel getan. »
Benjamin Gurtner, MOBIMO, Projektleiter Realisierung
204 Massnahmen zur gezielten Verbesserung der Energieeffizienz
Zwischen 2019 und 2021 identifizierten Mobimo und WSP insgesamt 204 Massnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz in den Bereichen Heizung, Lüftung, Klimatisierung, Beleuchtung und Gebäudehülle. Rund drei Viertel dieser Massnahmen werden seit 2023 in den verschiedenen Liegenschaften umgesetzt.
So etwa auch im Gebäude am Place de l’Europe 9: Im Erdgeschoss befinden sich Restaurants, in den oberen Stockwerken Büros. Schon beim Betreten des Technikraums fällt eine beeindruckende Aneinanderreihung unterschiedlichster Anlagen ins Auge. Durch die Leitungen zirkulieren Wärme und Kälte, die von einer Zentrale je nach Bedarf im Gebäude verteilt werden. Die dafür benötigte Primärenergie liefert das von den Services industriels de Lausanne betriebene Fernwärmenetz.
Benjamin Gurtner erinnert daran, dass Fernwärme grundsätzlich als nachhaltige Energieform gilt. Gegenwärtig stammen rund 60 Prozent der Netzwärme aus der Kehrichtverbrennung; die verbleibenden 40 Prozent werden nach wie vor mit Gas erzeugt. Eine Senkung des Verbrauchs ist somit sinnvoll, zumal diese laut Emmanuel Walter, PEIK-Energieberater bei WSP, relativ einfach realisierbar ist.
Erst optimieren, dann ersetzen
Häufig werden Anlagen, insbesondere Heizungen, mit Einstellungen betrieben, die früher gang und gäbe waren, beispielsweise mit zu hohen Heizkurven oder im Ganzjahresbetrieb. Um den Energieverbrauch zu reduzieren, empfiehlt es sich zunächst, die Regelungsparameter zu optimieren. Dadurch sind deutliche Einsparungen möglich, ohne dass grössere Investitionen nötig sind. Im Fall von Le Flon wird die Optimierung wesentlich dadurch erleichtert, dass die Anlagen des Quartiers aus der Ferne gesteuert werden können.
In einem zweiten Schritt ist es meist notwendig, veraltete Geräte zu ersetzen. Das betrifft insbesondere Pumpen, deren Technik sich in den letzten Jahrzehnten stark weiterentwickelt hat. Ältere Pumpen liefen mit konstanter Drehzahl, unabhängig vom tatsächlichen Bedarf. Moderne Geräte hingegen passen ihre Leistung laufend an die Nachfrage an. Dies bringt gleich zwei Vorteile mit sich, wie Emmanuel Walter erläutert: «Damit senken wir nicht nur den Energieverbrauch um 15 Prozent, sondern verlängern auch die Lebensdauer der Geräte, da sie sich weniger schnell abnutzen.»
Darüber hinaus wurden die Warmwasserleitungen in den Technikräumen systematisch gedämmt, wodurch weniger Wärme verloren geht.

«Mit modernen Geräten senken wir nicht nur den Energieverbrauch um 15 Prozent, sondern verlängern auch die Lebensdauer der Geräte, da sie sich weniger schnell abnutzen.»
Emmanuel Walter, PEIK-Energieberater bei WSP
10 Prozent weniger Stromverbrauch – so einfach geht’s
Unser Rundgang führt uns weiter an die Rue de Genève 17, ein ehemaliges Lagerhaus aus dem Jahr 1870. Im zweiten Untergeschoss ist nicht nur die Gebäudetechnik, sondern – überraschenderweise – auch ein Restaurant untergebracht. Man erklärt uns, dass die Gebäude ursprünglich vier Stockwerke besassen, dass aber die untersten beiden seit der Aufschüttung des Flon-Tals unter dem Boden liegen. Da versteht es sich von selbst, dass die Restaurants, Läden und Handwerksbetriebe in den Untergeschossen auf eine Lüftung angewiesen sind, die jederzeit zuverlässig funktioniert. Deshalb spielten sowohl die Lüftung als auch die Klimatisierung im Rahmen der PEIK-Beratung eine zentrale Rolle.
Im Zuge der Modernisierung der Monoblockgeräte wird entweder die Anlage komplett ersetzt oder es werden lediglich die Motoren und Ventilatoren ausgetauscht. Wie in den anderen Gebäuden hat Mobimo auch hier das Beleuchtungssystem der Gemeinschaftsbereiche vollständig auf LED umgerüstet, die über Bewegungsmelder gesteuert werden. Emmanuel Walter geht davon aus, dass sich durch diese Massnahmen jährlich über 70 000 kWh Strom und damit 10 Prozent des Stromverbrauchs des Gebäudes einsparen lassen. Zusätzlich erwartet er eine Reduktion des Wärmeverbrauchs um mehr als 100 000 kWh, was einer Verringerung um 26 Prozent entspricht.

Ein systematisches Vorgehen für mehr Effizienz
Seit dem Beginn der Sanierungsarbeiten im Jahr 2023 priorisiert Mobimo die Massnahmen mit dem grössten Einsparpotenzial. Die meisten dieser Massnahmen amortisieren sich innerhalb von eineinhalb bis vier Jahren. WSP begleitet und überwacht die Arbeiten; EnergieSchweiz trägt die Hälfte der Beratungskosten für die Umsetzung.
Von den 149 geplanten Sanierungsmassnahmen waren Ende 2024 bereits 132 realisiert. Neben der zügigen Ausführung legt Mobimo grossen Wert darauf, die Mieterinnen und Mieter möglichst wenig zu stören und ihnen am Ende den gleichen Komfort zu bieten.
Das Quartier Le Flon – ein Projekt mit Vorbildcharakter
Sobald sämtliche Sanierungsarbeiten abgeschlossen sind, werden jährlich knapp 1 GWh Strom und über 1 GWh Wärme eingespart, was dem Jahresverbrauch von rund 180 Vierpersonenhaushalten entspricht.
Dank eines Aktionsplans mit gezielten Massnahmen konnte im Rahmen des PEIK-Programms der optimale Zeitpunkt für die Sanierung der Gebäude festgelegt werden. Zudem haben die Förderbeiträge von EnergieSchweiz für die vertiefte Analyse sowie die Umsetzungsbegleitung wesentlich zur Realisierung des Projekts beigetragen.
Le Flon kann somit als Vorzeigeprojekt für andere Stadtentwicklungsprojekte in der Schweiz dienen, da es einen Ansatz verfolgt, der im aktuellen Kontext des wachsenden Bewusstseins für mehr Nachhaltigkeit ruhig Schule machen sollte. Für Benjamin Gurtner begnügt sich Mobimo nicht mit der Erfüllung der Mindestanforderungen, sondern nimmt seine Verantwortung vollumfänglich wahr. Das macht das Unternehmen zu einem Vorbild.
Le Flon: Massnahmen und Einsparungen im Überblick

Benjamin Gurtner (Mobimo, links) und Emmanuel Walter (WSP, rechts). Durch den Ersatz alter Pumpen durch effizientere Modelle und eine verbesserte Dämmung der Warmwasserleitungen gelang es dem Unternehmen Mobimo mit Unterstützung durch WSP Ingénieurs Conseils SA, den Energieverbrauch im Quartier Le Flon deutlich zu senken.
Dieser Artikel wurde von Pieter Poldervaart im Auftrag von EnergieSchweiz geschrieben. Fotos: Martin Bichsel.